Ein Schwarm im Flieder
25. Mai 2025Sonntag, halb drei, Kaffee auf der Terrasse. Der Nachbar steht am Zaun und sagt, ohne Begrüßung: „Herbert, du hast da was in meinem Flieder hängen.“ Ich hatte nichts in seinem Flieder hängen, meine vier Völker hatte ich am Vormittag durchgesehen, alle Königinnen gesehen, alle Weiselzellen gebrochen. Aber es hing tatsächlich etwas in seinem Flieder: ein Schwarm von der Größe eines Fußballs, gut zwei Meter hoch, mitten im Busch.
Woher, weiß ich nicht. Der nächste Imker, den ich kenne, ist drei Kilometer weg. Es gibt bei uns aber ein paar wilde Völker in alten Bäumen, und einer davon hat vermutlich geschwärmt. Bienen fragen nicht.
Einfangen
Schwarmfangkiste hatte ich seit 2019 im Bienenhaus stehen, benutzt hatte ich sie noch nie. Leiter, Sprühflasche mit Wasser, Kiste, Tuch. Den Schwarm nass gesprüht, damit er nicht auffliegt, die Kiste drunter, den Ast einmal kräftig geschüttelt. Neun Zehntel drin, der Rest in der Luft. Kiste auf den Boden gestellt, Deckel schräg drauf, gewartet. Nach zwanzig Minuten sterzelten die Bienen am Eingang, also war die Königin drin. Nach einer Stunde war der Flieder leer. Der Nachbar hat zugeschaut und drei Fragen gestellt, davon zwei, ob das gefährlich ist.
Einschlagen
Abends in eine leere Zarge mit fünf Mittelwänden und einer Futterwabe, Kiste vor die Beute, Brett als Rampe, ausgeschüttet. Es dauert ein paar Minuten, dann marschieren sie. Ich kannte das von Bildern, gesehen hatte ich es noch nie. Man steht daneben und findet es großartig, obwohl es nur Bienen sind, die in eine Kiste laufen.
Am nächsten Tag Kellerhaft nicht nötig, sie sind geblieben. Nach drei Tagen erster Nektar in den Zellen, nach sieben Tagen Stifte. Die Königin legt. Sie ist unbezeichnet, sieht aus wie eine dunkle Carnica, könnte auch eine Mischung sein. Volk Nummer sieben.
Was ich mir vornehme
Ein fremder Schwarm bringt fremde Milben mit, und ich weiß nichts über sein Verhalten. Deswegen: in drei Wochen, wenn die erste eigene Brut verdeckelt ist, Oxalsäure sprühen, solange das Volk fast brutfrei ist. Und im Spätsommer entscheiden, ob die Königin bleibt. Wenn sie stechlustig oder schwarmfreudig ist, wird umgeweiselt. Wenn sie ruhig ist und legt, darf sie bleiben – das wäre dann die erste Königin auf meinem Stand, die ich nicht selbst ausgesucht habe.
Umgeweiselt. Nicht wegen Stechlust, sondern weil das Volk bei jeder Durchsicht aufgebraust ist wie ein Topf Milch und der Milbenfall trotz Sprühen deutlich über den anderen lag. Junge Königin aus dem Verein, weiß, angenommen. Seither ruhig.